Ursprung der Stadttaube
Die Taube ist eines der ältesten Haustiere des Menschen, die Geschichte ihrer Domestikation begann im 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung im vorderen Orient. Sie stammt von der Felsentaube ab, die bis heute in den Steilküsten rund um das Mittelmeer siedelt. Die Felsentauben mögen auf der Futtersuche in die Siedlungen gekommen sein, bald jedenfalls wurden sie ihrer vielen Vorzüge wegen gezüchtet: Als Fleischtiere, als Düngerlieferanten und nicht zuletzt sicher auch wegen ihrer Schönheit, zumal ihre Haltung keine hohen Anforderungen stellte.
Die Taube wurde früh zum religiösen Symbol, sie war das Kulttier der babylonischen Göttin Ischtar , ein Taubenpaar zog den Himmelswagen der Aphrodite und die Psalmen des alten Testaments erzählen von Tauben, deren Flügel wie „Silber und Gold schimmern“. Nach der Sintflut brachte die Taube Noah den Ölzweig als Zeichen der Rettung. Das Christentum machte das nützliche und schöne Tier zum Symbol des heiligen Geistes. Bereits die Ägypter setzten Tauben als Boten ein und die Römer kannten bereits mehrere Taubenrassen, die sie auch in die Provinzen ihres Weltreiches brachten, die ersten Tauben auf österreichischem Gebiet sind für das 2. Jahrhundert nach Christus zu belegen. Das gesamte Mittelalter hindurch wurden Tauben gehalten und gezüchtet, besonders im arabischen Raum wurde ein Vielzahl von Rassen entwickelt, die über die Handelswege auch nach Europa fanden und dort weitergezüchtet wurden.
Brieftauben wurden in vielen Kriegen eingesetzt, auch im ersten und zweiten Weltkrieg, u.a. in Berlin, Brüssel und Lille hat man ihnen deshalb Denkmäler gesetzt. Als „Rennpferd des kleinen Mannes“ waren die Brieftauben besonders nach dem Krieg beliebt.
Von all' diesen Tauben stammen unsere Stadttauben ab. Sie sind Nachkommen verwilderter Haustauben, die wie ihre Stammmütter „Felsenbrüter“ sind und deshalb die Schluchten unserer Städte besiedeln. Waren die Straßentauben in früheren Jahren noch gern gesehene Gäste in den Städten Europas – noch im Jahre 1912 gab es in Venedig und Verona einen Erlass, der den Behörden die Fütterung der dort ansässigen Straßentauben vorschrieb – hat sich das Blatt in der heutigen Zeit weitgehend gewendet.